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Betrachtungen zu Island - ein Gastbeitrag

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Betrachtungen zu Island - ein Gastbeitrag

Photo: Birgit Braun

Birgit Marie Braun lebt und arbeitet seit 21 Jahren auf Island. Sie ist Ärztin und Psychotherapeutin und engagiert sich u.a. im Naturschutz und staatlichen Aufforstungsprogramm. Zum Jahreswechsel und irgendwie ja auch schon wieder Auftakt der neuen Touristsaison hat sie einige Gedanken und Fakten zusammengetragen, die Island vielleicht noch einmal von einer anderen Seite beleuchten. Mit ihrer freundlichen Genehmigung drucken wir hier ihren Artikel ab:

BETRACHTUNGEN ZU ÍSLAND

Ich glaube an Liebe auf den ersten Blick: beim Anflug auf Keflavik breitete sich unter mir die rissige Lava von Reykjanes aus – das wars. Das ist es immer noch, allen Krisen zum Trotz. Auch die Ernüchterung gehört zur Liebe : Ent-täuschungen - auf meiner Seite. Denn Island ist immer gleich geblieben. Hat mir nie etwas versprochen und daher nie ein Versprechen gebrochen. Obwohl einseitig, hat es der Liebe keinen Abbruch getan: Island mit all seinen Unberechenbarkeit ist ein Gegenüber und oft und ganz unverhofft das einzige: ein schlagendes Herz, ein lebendiges Wesen, das atmet, sich bewegt, riecht - manche können es sogar hören. Es ist einer der Orte auf der Welt, wo man die Erde unverdeckt und direkt wahrnimmt. Die isländischen Bücher und Geschichten sind voll von dieser unvermittelten Begegnung des Menschen mit der Natur. Es rührt an eine Stelle in uns, die wir fast nicht mehr kennen. Es bezaubert, fasziniert. Es kann Angst machen, man muss es aushalten können. Und es gebietet Respekt. So wie jede Begegnung mit dem „Wilden“ macht die Insel einem bewusst: der Mensch ist nicht das Mass aller Dinge. Selbstüberschätzung wird hier schnell eine Frage des Überlebens.

Island – ist . Hat seine eigenen Gesetze. Sein eigenes Leben. Es braucht uns nicht. Wer und was hier leben und überleben will, muss sich anpassen und Teil der Insel sein oder werden. Selbst die Zeit tut das, läuft mal schneller, mal langsamer. Neuigkeiten und Entwicklungen aus der grossen Welt scheinen immer noch eher per Flaschenpost oder auf der Eisscholle anzutreiben, oft verspätet, wie zufällig.

Island scheint nichts im Gleichmaß zu tun, es besteht aus und in Extremen und Widersprüchen, die gleichzeitig und nebeneinander existieren. Das ist der isländische Normalzustand. Es prägt den Alltag auf der Insel, macht das Leben abwechslungsreich und zur ständigen Herausforderung.

Das Land hat seine eigene Pferde-, Schafrasse und Flora hervorgebracht, und eben auch ein zähes, verschlossenes und stoisches Volk. Fürs Überleben und Durchhalten gemacht. Die isländische Seele kennt, wie das Land, die Extreme. Auf dem Grund ist etwas unverrückbar festes, wie der „klaki“ (isl: Eisblock), der Fels Island selbst. Menschen die wie Kinder träumen und sehr hart arbeiten können. Denen die Voraussicht nicht so liegt. Denn Pläne, auf die man bauen kann, sind hier zu unsicher.

Man bezahlt für das Leben auf diesem wilden Stück Erde mit einer gehörigen Portion - auch sozialer – Unsicherheit. Island hat ca 330.000 Einwohner, davon sind ca.180.000 Steuerzahler. Zieht man die Rentner ab, bleibt die erstaunliche Zahl der Arbeitenden, die das Volkseinkommen erwirtschaften und das anspruchsvolle Land in all seinen Bereichen bewirtschaften. Verständlicherweise funktioniert das mal mehr – mal weniger. Das gesamte System ist fragil und anfällig. So fusst zb. das Gesundheitssystem traditionell auf „sjálfsbjargaleitni“ - der Fähigkeit, sich selbst zu helfen. Bzw. die Familie, die Gruppe soll helfend eingreifen, wo der Staat es nicht leisten kann. Wer nicht den Rückhalt einer Grossfamilie oder anderen gesellschaftlichen Einbettung hat, bekommt die Sprünge im System schnell zu spüren.

Isländer nehmen die Unwägbarkeiten ihres Landes und Lebens mit schier unfassbarer Duldsamkeit und Gelassenheit hin. Die Insel hat ihnen über Jahrhunderte beigebracht, dass sie morgen nimmt, was sie heute schenkt. Das Verhältnis der Inselbewohner zu ihrem Land ist geprägt davon, am ehesten pragmatisch, ohne Gefühlshuddelei.

Bis nach dem zweiten Weltkrieg war Island eine arme, abgeschiedene Insel im Nordatlantik. Das Leben drehte sich darum zu überleben, Land und Meer unter härtesten Bedingungen das Nötigste abzuringen. 1904 wurde das erste Wasserkraftwerk auf Island gebaut, aber erst in den letzten 50 Jahren begannen die Inselbewohner, die Kräfte, Wildheit und Schönheit ihrer Heimat im grossen Stil zu zähmen und damit das Land nachhaltig zu verändern.

Island am Scheideweg

Island hat den Ruf einer heilen Welt, einer grünen Insel mit unerschöpflicher erneuerbarer Energie.

Ja und nein, würde ich sagen. Die Neuzeit ist auch hier angekommen und damit die Übel der „grossen Welt“: Drogenhandel, Gewaltverbrechen und Bestechlichkeit, Asylantenproblematik, Umweltverschmutzung, Klimawandel usw. Alles etwas kleiner, etwas anders, aber das meiste davon gibt es auch hier. Perfide Gewaltverbrechen sind gottlob noch selten. Die geringe Einwohnerzahl und durch Jahrhunderte geprägte „Abhängigkeitsloyalität“ schaffen eine hohe soziale Kontrolle. Auf der andern Seite unterstützen sie u.a. Vetternwirtschaft und Korruption. Genau das hat unsere nicht einmal ein Jahr alte Regierung im Herbst 2017 zu Fall gebracht.

Für Isländer ist es eine nicht erwähnensweirte Selbstverständlichkeit, daß sie reinstes Wasser trinken dürfen, zum Großteil direkt aus der Quelle, dem Bach, dem Fluß. Dass Wasser an sich ein unschätzbares Gut ist, dass Island zu den Ländern mit den größten Rein-Trinkwasserreservoirs der Welt gehört, taucht selbst in öffentlichen Diskussionen nicht auf. Die Wasserpracht wird in KW, MW, GW, TW verrechnet und gehandelt.

Doch wie „grün“ ist Islands Energie nun wirklich? Tatsächlich stammen 85% der verbrauchten Energie aus landeseigenen Quellen: 72,62% werden durch Wasserkraft , 27, 32% durch Erdwärme erzeugt, 0,05 % durch Windkraft und 0,01 % durch Treibstoff. Im Folgenden steht WKW für Wasserkraftwerke und EWKW für Erdwärmekraftwerke. Wasserkraft wird da erzeugt, wo Gefälle ist, also an Wasserfällen: Je grösser der Wasserfall, die Fließkraft oder je mehr Wasserfälle in Reihe, desto mehr Strom lässt sich generieren. Der Wasserfall ertrinkt in der Regel hinter einer Staumauer, das Flussbett trocknet aus neben einem Zufuhrschacht zur Turbine.

Bis 1953 war die Welt auf Island sozusagen „in Ordnung“: kleine WKW sorgten für den bescheidenen Stromverbrauch des Landes.1953 wurde das erste 10 MW WKW mit der Stauung des Írafoss in Südisland in Betrieb genommen. Spätesten seit 1950-1960 begann dann die Außenwelt auf das ungeheure Potential der Insel aufmerksam zu werden. Erste Spekulationen wurden laut, die im Land erzeugbare Energie per Unterseekabel nach Europa zu verkaufen - sie sind heute wieder aktuell. Eine deutliche Zäsur setzte die Gründung des staatlichen Energiekonzerns Landsvirkjun 1965, bis heute der grösste Energieproduzent des Landes.

Die Regierung warb mit den gewaltigen Energiereserven des Landes. Langzeitverträge über staatliche Sonderkonditionen beim Stromankauf, enorme Steuerermäßigungen, begrenzte Auskunftspflicht der Unternehmen, ein stabiles politisches Umfeld und die günstige Verkehrslage mit guten Häfen, um nur einige der wichtigsten Faktoren zu nennen, haben seither Investoren der internationalen Schwerindustrie ins Land gelockt. Es handelt sich dabei durchweg um „Energiefresser“: Fabriken zur Herstellung von Primäraluminium und Ferrosilikat, die zu den weltgrössten gehören, und mehrere Datenverarbeitungszentren.

Während die Schwerindustrie aufrüstete, war der isl. Naturschutz in den Kinderschuhen und konnte der Entwicklung wenig entgegensetzen: 1969 formierte sich der erste überregionale Naturschutzbund Landvernd, 1998 folgten die Nattúruverndarsamtök Íslands. Erst seit 1990 gibt es ein eigenes Umweltministerium. Allein im Jahr 1972 gingen 5 grosse WKWin Zentral- und Südisland ans Netz - u.a. das Búrfellsvirkjun im Þjórsátal, um das erste Aluminiumwerk Islands in Straumsvík zu versorgen. Von 1974-1984 wurde ein Starkstromnetz über ganz Island verlegt. Sprunghaft erhöhte sich der Energiebedarf 1998 und 2007, nachdem die Aluminiumwerke Norðurál im Westen und Fjarðarál im Nordosten ans Netz gingen. Unter dem Druck der steigenden Nachfrage wurden bis 2016 insgesamt 53 WKW landesweit errichtet, davon 8 WKW, die zw. 90 - 690 MW produzieren, und 7 EWKW, die neben Heizwärme hauptsächlich Strom liefern. Die grössten sind Kárahnjúkur 690 MW, Hellisheiði 303 MW, Búrfell 270 MW, Hrauneyjarfoss 210 MW, Blandá 150 MW, Sigalda 150 MW, Nesjavellir 120 MW, Sultartangi 120 MW, Reykjanes 100 MW und Búðarháls 95 MW.

Heute wird nirgendwo auf der Welt mehr Strom/Einwohner erzeugt als auf Island: 1969 waren es 748 Gwh, 2016 18.549 GWh. Davon fliessen 23% oder 4.000 GWh dem allgemeinen Verbraucher zu (Haushalte, öffentliche Dienste, kleinere Betriebe). 77% des erzeugten Stromes, mehr als 14.000 GWh speist die im Land angesiedelte Industrie, die sich gerne mit dem Prädikat 100% erneuerbarer Energie schmückt. Im einzelnen sind dies:

Fabriken zur Primäraluminiumherstellung ( die über 90% mehr Energie verbraucht als Aluminiumrecycling): Straumsvík/Hafnarfjörður (1972, Rio TInto Alcan/multinational). Norðurál/Grundartangi im Hvalfjörður (1998, seit 2004 Century Aluminium/USA) Fjarðarál/Reyðafjörður (2007, Alcoa Cooperation/USA) GMR/Grundartangi im Hvalfjörður (Island?) Becromal/Eyjarfjörður (Italien)

Fabriken zur Ferrosilikatherstellung (Material benötigt in der Stahlerzeugung): Elkem/Grund­ar­tangi (2003, China National Chemical Corporation), zweitgrösste Ferrosilicatfabrik der Welt. United Silicon/Helguvík ( seit 2017, in isl.? Besitz) PCC á Bakka/Húsavík (2017/2018, PCC Deutschland) In Planung sind die Ferrosilicatfabrik Thorsill in Helguvík und die Solarzellfabrik von Silicor Materials in Grundartangi.

Datenverarbeitungszentren: Verne global/ Keflavík (GB), im Ausbau. Advania / Keflavik und Hafnafjörður

Der Strom wird dieser Grossindustrie weit günstiger verkauft als dem Normalverbraucher oder landesansässigen Vielverbrauchern ( zb. Gewächshausbauern oder fischverarbeitenden Fabriken) - so preiswert, dass sich die weite An- und Verschiffung der Rohstoffe (zB. Bauxit aus Australien) und des Enderzeugnisses rechnen. Neben Feinstaub, Schwefel, Arsen etc. setzt die Schwerindustrie Treibhausgase wie PFC frei. In den Ferrosilikatfabriken wird importierte Kohle im Produktionsprozess verbrannt: Gehen PCC in Húsavík und United Silikon und Thorsill in Helguvík ans Netz, wird die Treibhausgasemission der Insel um 20-30% steigen. Wer sich die sichtbare Naturzerstörung durch Riesen- WKW vor Augen führen will, kann zB. die Begriffe Sigölduvirkjun und Kárahnjúkavirkjun googeln. Die 8 grössten EWKW der Insel setzten im Jahr 2016 (Quelle: Webseite der Orkustofnun) 148.956 Tonnen CO2, 18.852 Tonnen H2S und 114 Tonnen CH4 frei.

Seit 1999 obliegen „Schutz und Nutzung der nationalen Energiereserven“ dem staatlichen Energierahmenplan „Rammaáætlun“: Bereits bewilligt sind 10 künftige Bauvorhaben fuer WKW und EKW von 31 bis 150 MW ( u.a. anderem die hartumkämpften WKW Hvammsvirkjun im Fluss Þjórsatal und Hvalárvirkjun in den Westfjorden). Das wird aber nicht genügen, denn laut Hochrechnung des staatlichen Energieinstituts Orkustofnun werden 2030 14% oder 184 MW mehr Strom gebraucht. 8 weitere KW der o.g. Größenordnung sind dafür vorgesehen (u.a. das Urriðafossvirkjun und das Holtavirkjun im Flussverlauf der Þjórsá). 10 WKW unter 10 MW - in dieser Größenordnung wird nicht einmal ein „Umweltattest“ benötigt - sind in der Untersuchungsphase (u.a. das Brúarvirkjun im Fluss Tungufljót zw. Geysir und Gullfoss). Kleinere Werke müssen nicht einmal den Genehmingungssprozess der Rammaáætlun duchlaufen.

Der Energiebedarf der Bevölkerung, eine Umrüstung ihrer gesamten Autoflotte auf Elektrizität eingeschlossen, sollte längst abgedeckt sein. Tatsächlich ist aber die Landbevölkerung zT. immer noch nicht stabil an die Stromversorgung angeschlossen. Daher sind grosse Fischverarbeitungsfabriken (zB. in Akureyri) dazu übergegangen, Dieselgeneratoren einzusetzen, - auch um teuren Storm einzusparen. Der Schrisftsteller und Naturschützer Andri Snær Magnússon spricht in diesem Zusammenhang von einer „systematischen Unehrlichkeit“ der Energiepolitik: Energiemangel werde suggeriert. Dabei ist genug Energie da, - es hapert nur an ihrer Ver- und Aufteilung.

Es ist neu und geschieht nicht oft, dass Isländer wegen ihrer Natur auf die Barrikaden und sogar auf die Strasse gehen: Der Bau des Kárahnjúkurvirkjun, des bislang grössten WKW Islands, rief jedoch 2007 erstmals massive öffentliche Proteste hervor und hat das Bewusstsein der Bevölkerung nachhaltig verändert. Eine der gewaltigsten Schluchten der Insel trockengelegt und zig Wasserfälle ertränkt in einem gigantischen Stausee. Erzeugt werden 690 MW, 80-85% davon bedienen das amerikanische Aluminiumwerk Fjarðarál Im Reyðarfjörður = 530 Arbeitsplätze.

Seither haben die großen Naturschutzbünde an Einfluss gewonnen, viele regionale kamen hinzu, mutige Einzelkämpfer. Sie leisten die undankbare Aufklärungsarbeit, machen über Presse und Gerichtsklagen aufmerksam auf Verstöße gegen die geltende Gesetzgebung und ihre Lücken. Die veralteten Naturschutzgesetze von 1999 wurden 2016 überarbeitet ( und sehen u.a. ausdrücklich vor, dass das Land sich nach seinen eigenen Gesetzen entwickeln darf), Nationalparks wurden gegründet, Naturschutzgebiete dazu gewonnen und erweitert ( zuletzt im Herbst 2017 das „Þjórsáver“). Der Umweltskandal des Ferrosilikatwerkes United Silikon in Keflavik und das geplante WKW Hvalárvirkjun in den Westfjorden haben in diesem Jahr eine landesweite, öffentliche Diskussion von bislang unbekanntem Ausmass ausgelöst. Für und wider der Schwerindustrie (Arbeitsplätze in ländlichen Regionen, Verbesserung von Infrastruktur und Stromversorgung, Steuereinnahmen) werden öffentlich kritisch unter die Lupe genommen. Es kommt sehr langsam im Volksbewusstsein an, dass ein weiterer Ausbau „kostet“, dass Mensch und Natur bedroht sein könnten. Auch, dass der Goldesel nicht alles hält, was er verspricht.

Dem Tourismus auf Island fällt in dieser Situation eine entscheidende aber noch nicht entschiedene Rolle zu. Er ist in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Einkommenszweige geworden und eröffnet den Isländern einen neuen, sozusagen Aussen- Blick auf ihr Land mit seinen Schätzen: die Menschen suchen genau die unberührte Natur, die weitere Kraftwerksvorhaben zerstören würden.

Das vielerorts unkontrollierte Wachstum im Reisegeschäft stellt andererseits eine Gefahr in sich da: Es überfordert und bedroht die fragile Infrastruktur und Natur des Landes gleichermassen. Wer mit offenen Augen reist und Island öfter besucht hat, wird das unschwer bemerken. Sieht man sich die neuen Gemeindebebauungspläne an, stellt man erschrocken fest: Umwelt- und Naturschutz sind entweder kein Thema, oder die Konzepte sollen „später“ erarbeitet werden. „Nachhaltigkeit“ ist relativ neu im Wortschatz, das Wortverständnis fehlt aber allgemein noch. „Sanfter Tourismus“ ist unbekannt. Ein Beispiel von vielen: Am 16.11.17 erschien auf der Webseite des staatlichen Radiosenders RUV ein Artikel über die Kläranlagensituation der Insel: danach sind nur knapp 75 % der Bevölkerung an ein wie auch immer geartetes Klärsystem angeschlossen. Reykjavík produziert mit 60 % den Grossteil der Abwässer. Der Kläranlage der Landeshauptstadt gelingt es eben einmal, den im Abwasser transportierten Müll abzuseihen….der Rest wird einige Kilometer weit in den Faxaflói, die Meeresbucht vor Reykjavík gepumpt. Selbst bei 330.000 Inselbewohnern ist das doch ein bisschen viel Flaschenpost,- man will sich eigentlich gar nicht vorstellen, wie das aussieht, wenn bald 2,8 Millionen Reisende/Jahr ihren Beitrag leisten...

Island sieht sich also grossen Herausforderungen gegenüber: es wird Prioritäten setzen, sich in Voraussicht und überlegter Planung üben und vielleicht auch mäßigen müssen: wovon wie viel und in welcher Form. Ob es nun auf einen weiteren Ausbau der Industrie setzt, per Unterseekabel Strom ins Ausland verkauft und dazu seine Wasserfälle staut, den Tourismus ausbaut, die Landwirtschaft unterstützt oder untergräbt– all das wird die Insel in den kommenden Jahren nachhaltig verändern.

Seit dem 30.11.2017 haben wir eine neue Regierung, die die Interessenkonflikte nicht besser widerspiegeln könnte: Links-Grüne (Vinstri Græn) koalieren mit der konservativen Bauernpartei (Framsóknarflokkur) und dem Sjálfstæðisflokkur (etwa der CDU vergleichbar). Guðmund­ur I. Guðbrands­son, bis dahin Vorsitzender des Naturschutzbundes Landvernd, wurde zum neuen Umweltminister ernannt. Es gibt also Hoffnung.

Währenddessen dreht das Land seine Kreise, nimmt den eigenen Wandel im Rahmen der allgemeinen Klimaveränderung hin. Die Gletscher schmelzen und darunter schlafende Vulkane erwachen…. Letztendlich ist meine Sorge um Island wohl unbegründet: Wenn es zu viel wird, wird der Riese sich schütteln, ein neues Gleichgewicht schaffen. Mit oder ohne uns. Es wäre schade – für uns.

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